Gottesdienste

24. Januar 2021 3.Sonntag nach Epiphanias
Bülzig 10.00 Uhr (Matthias Schollmeyer)
Feldheim 10.00 Uhr (Ute Schollmeyer)

Landschaft zwischen Kurzlipsdorf und Klebitz

Während der Zeit des Corona-Interims haben wir die geltenden Regeln der Landkreise, die Eindämmungsverordnungen der Länder Sachsen-Anhalt bzw. Brandenburg zu befolgen. Mit unserem Hygienekonzept befolgen wir die von der Landeskirche in Mitteldeutschland erlassenen jeweils aktualisierten Rundverfügungen und Empfehlungen. Somit ist ein Mund-Nasenschutz inzwischen auch im Kirchenraum verpflichtend. Sorry – es geht in der nächsten Zeit aber erst einmal nicht anders.

HERZLICH WILLKOMMEN

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von Ruth

Die Bibel durfte uns das Lied ersinnen,
von jener armen Frau, die Ähren las.
Von ihren reinen Händen Körner rinnen,

zu sammeln die in einem irdnen Fass.
Sie singt bei ihrer Arbeit. Alle hören
den Lobgesang und staunen über das:

Es geht um Hunger, Liebe, Fluch, Zerstören,
des Schicksals Härten. Tod, Not, Glück und Gut.
Der Schwiegermutter tat sie Treue schwören –

der schönen Noemi, ihr Name Ruth!
Zwei Witwen sind es – beide ohne Gatten,
nachdem der Tod die Männer zu sich lud.

Als das Quadrat von Feld und Ährenmatten
der Grundherr Boas aufsucht, kann man sehn,
wie mit des Zirkels hochbewährten Latten

er einen großen Kreis beschreibt. Und steh´n
bleibt Frucht an jedem Eck! So hat geboten –
es Gottes Wort, das niemand darf verdreh´n.

Am Abend deshalb reichlich Korn geblieben
ist Ruth. Ein Körbchen weniger als sieben.

Noemi kennt die Welt – ganz ohne Frage,
beherzt ermutigt sie die junge Frau:
„Zur Braut mach er dich heute noch vor Tage,

der Mond steht günstig, nutz die Stunde schlau.
Gott hat den Mann in unsre Hand gegeben,
leg hin zu seinen Füßen dich genau.

Der HERR wird euch die Wege neu verweben,
so leicht kommt mir dein Leben nicht ans End.
Der Boas wird dich aus dem Staub erheben –

wenn er im Glanz des Mondlichts dich erkennt.
Er wird sich liebevoll um dich bewerben:
Gott fügt zusammen oft, nachdem er trennt.

Als die Gestirne jenen Tag beerben,
legt Boas sich ins Korn. Und Ruth, die Braut,
lässt ihrer Stunde Fügung nicht verderben.

Wie nun der Mond durchs Tennenfenster schaut,
sagt sie zu Boas leise: „Ruth, die deine,
bin ich und bleibe, bis der Morgen graut.

Zu wem du flehst – die Gottheit sei auch meine.
Und wo du bist – da ruhen Ruths Gebeine.“

vom 3 mal vergessenen Tage

Nun ist er tatsächlich doch recht sang- und klanglos vorübergegangen, jener 18. Januar, an dem vor 320 Jahren der Hohenzoller (Friedrich III – Kurfürst von Brandenburg) in Königsberg „König in Preußen“ wurde und sich darauf zu unser aller Verwirrung den Namen Friedrich I gab. Ebenfalls auch der preußische König Wilhelm I! Der wurde vor 150 Jahren am 18.Januar zum deutschen Kaiser proklamiert. Nicht in Königsberg, aber in Versailles.

Brandenburg war damals bereits völlig in Preußen aufgegangen, so wie jenes Preußen, das wir schätzen wollen, sehr bald in Deutschland verschwand. Interessant – heute sagt man spannend dazu – ist die Geschichte der Herrscher jenes Brandenburg allemal, welches ab 1415 von den Hohenzollern geführt wurde. Der Burggraf Friedrich VI. in Nürnberg erhielt vom römisch-deutschen Kaiser Sigismund (das ist der mit den Hussiten!) die erbliche Würde von Markgrafen und Kürfürsten in der nördlichen Mark verliehen. Dieser Burggraf nämlich hatte dem Luxenburger zum Kaiserthron geholfen – manus labat manum. 

Preußen – als Land seit 1945 untergegangen – hat die deutschen Lande geprägt. In der napoleonischen Ära sowieso, in der Zeit des Wiener Kongresses, beim Deutschen Bund und dem Deutschen Zollverein, dem Norddeutschen Bund – schließlich eben auch im Kaiserreich. Der unter seinem Vater schwer gelitten habende Flötenspieler, welcher so unverschämt war, Maria Theresia Schlesien streitig zu machen und als Alter Fritz in die Geschichtslehrbücher einging, hat auch viel damit zu tun. Er (bzw. das, was von ihm noch übrig war) wurde im Jahr 1991 auf der Terrasse des brandenburgischen Versailles „Sanssouci“ wunschgemäß beim Schein einer Laterne direkt neben seinen Hunden beigesetzt. 

Ja – es sind immer wieder besondere Orte, die zu bestimmten Zeiten mit den Schicksalen der Menschen zu tun bekommen und seltsam – es sind besondere Tage und Stunden, die solche Wirksamkeit entrollen, die ihnen vorher keiner zugetraut hat. Der 18. Januar gehört wohl mit dazu – versteckt in der Fülle von 365 Jahrestagen und heute absichtlich vergessen, erinnert nicht gerade er an Pläne, die groß sein wollten wie Riesen? Der erste König in Preußen – Friedrich der III/I – wurde von einer unachtsamen Amme fallen gelassen; er musste sich zeitlebens mit einem Buckel durchs Leben dirigieren – und lief schief. Die Brandenburger nannten ihn den „Schiefen Fritz.“ Aber in Königsberg wurde er doch König! Sechs Millionen Taler kostete die Feierlichkeit. Um diesen Mann als selbstgekrönten König zu salben, wurde ein großer Gottesdienst gefeiert und dazu extra zwei Bischöfe berufen – ein lutherischer und ein calvinistischer. Die salbten und segneten Friedrich, der der Großvater des Alten Fritzen und Vater des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I gewesen ist. 

„Hunde, wollt Ihr ewig leben!” soll der Enkel des heute vor 320 Jahren Gekrönten seinen fliehenden Soldaten nach der Schlacht bei Kolin nachgerufen haben. Der Sieg ging nämlich nicht an den Brandenburger, sondern an das habsburgische Österreich. Ja – es ist immer viel Verzweiflung dabei. Der Krieg war damals Normalzustand in Europa, so etwa, wie es heute noch der Frieden ist. Auf jeden Fall ist er tief – der Brunnen der Vergangenheit. Und je tiefer wir steigen, desto besser wird es. Zum Abschluss des heutigen vergessenen Tages soll noch angemerkt werden: Athanasius der Große – auch sein Tag ist der 18. Januar. Von Athanasius stammt die Schrift περὶ ἐνανθρωπήσεως τοῦ Λόγου („über die Inkarnation des Logos”). In dieser Schrift handelt der Kirchenvater († 373 in Alexandria) die Inkarnation von Gott in Jesus Christus ab – und führt damit die Gegenwart Gottes in der Geschichte als zentrales Element des christlichen Glaubens vor. Der Weltgeist ging zwar besonders gern in Thüringen spazieren. Aber er hatte seine Finger wohl auch in Königsberg und Versailles mit im Spiel …