der Paradiesvogel

In der Fülle aller bisher gedrehten Jesusfilme gibt es auch diesen wirklich guten: „40 Tage in der Wüste.” Am Ende des Streifens werden wir Jesus am Kreuz sehen – und den Paradiesvogel. Der bunte Vogel ruft zu dreien Malen und erscheint auch in seiner paradiesischen Pracht für ein paar Sekunden im Bild. Der Film ist langsam und verhalten. Es spielen insgesamt sechs Personen mit – wobei Jesus und sein Versucher eigentlich ein und dasselbe Wesen sind. Der Paradiesvogel hat ganz am Schluss als Siebenter das erlösende Wort. Und sein Wort ist Lockruf und Gesang. 

Mehr als diese wenigen Sekunden braucht es nicht, um klar werden zu lassen: „Wahrlich, ich sage Dir, heute noch wirst Du mit mir im Paradiese sein!” Der Evangelist Lukas lässt Jesus dieses Trostwort dem Schächer Dysmas entgegnen, von Kreuz zu Kreuz (Luk 24,42). Dysmas hatte Jesus darum gebeten, dass seiner in einem guten Reich irgendwo zum Segen gedacht werden möge.

Eine ähnliche Bitte wird im Ave Maria laut: Sancta Maria, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus nunc et in hora mortis nostrae. Dies Bitten, dass am Ziel jemand für den Verlierer eintritt, ist am Ende des von mir hier ausdrücklich empfohlenen Wüstenfilms sehr gut ins Bild gebracht worden. Spätestens in den letzten Sekunden komme der Trost. Und bleibe nicht stumm, sondern singe drei kurze Strophen. Der bunte Vogel als Priester, der über die Schwelle hilft.

Gottesdienste

7.3.2021 – Sonntag Okuli

Leetza 08.30 Uhr (Matthias Schollmeyer) Bülzig 10.00 Uhr (Matthias Schollmeyer) Mellnsdorf 10.00 Uhr (Ute Schollmeyer)

Während der Zeit des Corona-Interims haben wir die geltenden Regeln der Landkreise und die Eindämmungsverordnungen der Länder Sachsen-Anhalt bzw. Brandenburg zu beachten. Sankt Marien Zahna folgt deshalb den von der Landeskirche in Mitteldeutschland erlassenen Rundverfügungen. Somit ist ein Mund-Nasenschutz auch im Kirchenraum verpflichtend. Sorry – es geht in der nächsten Zeit nicht anders.

HERZLICH WILLKOMMEN

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die Krone aus Akanthus

Den Dornenkranz Jesu vollendeten die Bildhauer erst ganz zum Schluss. Sie setzten dem Bildnis des Gottessohnes damit die Krone auf. Keine einzige Spitze durfte abbrechen. Zweiundsiebzig – die Anzahl der Namen Gottes. Was hat es mit dieser Krone auf sich, deren Reliquie vor etwa zwei Jahren aus der brennenden Kathedrale Notre Dame in der Mitte Frankreichs gerettet worden ist? 

Die Dornenkrone soll aus den Ranken der Akanthuspflanze angefertigt gewesen sein, so berichten es drei Evangelisten (καὶ οἱ στρατιῶται πλέξαντες στέφανον ἐξ ἀκανθῶν). Eigentlich sollte sie den niederen Dienstgraden der Pilatusjunta zum Zweck spottender Verehrung dienen. Aber – der Akanthus ist in den Mittelmeerländern, in welche hinaus das Christentum sich sehr bald als „Fortsetzung des Judentums mit anderen Mitteln“ auszubreiten begann, Symbol für Leben und Unsterblichkeit. Das distelartige Akanthus-Blatt wird einzeln oder in Mustern seit dem 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung als stilisierte, dekorative Verzierung eingesetzt. Nun wird auch Christus damit geschmückt, vielleicht standen die Akanthuspflanzen in der Nähe herum – sie wachsen ja überall, auf Beeten, an Wegrändern und Schutthalden. Der Zufall als bester Einfall Gottes war wohl wieder mit dabei … „Sie wissen nicht, was sie tun”, interveniert Jesus bei Gottvater im Blick auf seine Plagegeister. Auch der Centurio wird mit der Lanze in den Leib Jesu stechen – aber ihn dabei nicht töten, sondern unwissentlich retten (vgl. weiter unten meinen Beitrag zur Heiligen Lanze). Sie wissen nicht, was sie tun …

Erst in jüngerer Zeit gibt es Darstellungen von Jesus mit einer dornigen Blütenkrone. Diese der Akanthuspflanze näher kommenden Blütenkronen werden durch die besonders liebevolle Gestaltung der Blutstropfen auf Velum-Veronica-Bildern bereits lange vorbereitet. Blut und Blüte … In der Spätgothik wird mit Vorliebe hauptsächlich der Schmerzcharakter der Krone des Meisters herausgearbeitet – die Identifikation des Menschen mit dem Schmerz bereitet sich bis zur Renaissance als eigenes Thema langsam vor und wird für die Barockzeit enorm bestimmend. Aber die Dornenkrone ist eine geheime Blütenkrone – sie bleibt immer das  Signum eines durch Leiden erprobten Weltgebieters.

Dornengewächse finden sich in der Bibel an einigen Stellen. Zuerst beim Abschied aus dem Paradies: „Dornen und Disteln wird der Acker dir tragen” (Genesis 3,18). Und dann bevor es in die Wüste geht – da wird Mose vor einem brennenden Dornenstrauch knien, aus dessen Flamme er die unendliche Stimme den Namen Gottes sich verraten hört: „Ich werde der sein, als der ich mich von dir finden lasse” (Exodus 3,14). Und nun trägt Jesus einen aus eben diesem Ackerbrandgezweig kunstvoll gewundenen Kranz. Der ist nicht mit Edelsteinen besetzt, wie die späteren Kaiser ihre Goldschmiede arbeiten lassen werden (denken wir an das Edelsteinzimmer Karl des IV.) – aber dieser Kranz ist die Erfüllung des alten Segensfluchs Gottes an Adam auf der Abschiedsschwelle des Paradies – und zugleich die offenbarende Krönung der Zuwendung Gottes an den einen Menschen, der sein Volk mit Hilfe von Wort und Worten durch die Wüsten führen wird.

Deshalb ist die Dornenkrone nicht so sehr Schmerzkrone, sondern ein Ehrenreif ganz anderer und besonderer Art. Es tut gut zu wissen, dass sein als Reliquie verehrtes Artefakt  in der Hauptkirche unseres laizistischen Nachbarlandes am 15. April 2019 von Vater Jean-Marc Fournier, dem Seelsorger der Pariser Feuerwehr, aus den Gluten der höllischen Brunst gerettet worden ist.