von Maria

Bildschirmfoto 2019-12-16 um 13.43.29

Siebenundzwanzig Männer kennt WIKIPEDIA, die alle den Namen der Gottesmutter tragen. Maria. Zum Beispiel Carl Maria von Weber, Rainer Maria Rilke und Klaus Maria Brandauer. Eine besondere Liebe zu Maria mag die Eltern bewogen haben, ihren Knaben diesen Namen mitzugeben. Auch besonders am vierten Advent erinnern die Texte der Kirche an Maria. Ihr weltumspannendes Lied wird von der Christenheit zu Abend gesungen – das Magnificat. Maria ist glücklich, ein Kind unter dem Herzen zu tragen – und dieser Freude entstammt ihr Gesang. Doch kennt Maria ebenfalls den Schmerz. Sie bleibt als Madonna auch immer Schmerzensmutter.

Der Schauspieler Klaus Maria Brandauer hat nicht nur Mephisto überzeugend gespielt, sondern in dem Film „Auflösung” auch jenen Kunstkritiker, der an Alzheimer erkrankte. Klaus – der Marias Namen trägt – spielt einen, der alles vergisst, zum Schluss sogar seinen Lieblingsphilosophen Seneca, hinter dessen Werkausgabe er die Tabletten versteckt, die ihm einmal den Weg aus dieser Welt freimachen sollen. „Bei Seneca ist Trost!“ – so notiert sich der Kritiker das auf einem Zettel, damit er sich würde erinnern können, wenn er sich an nichts mehr erinnern kann. Den Zettel steckt er in die Brieftasche …

Es ist eine Frau (Martina Gedeck), die die bittere Reise des Mannes ins große Vergessen sehr berührend begleitet. Denn sogar Seneca vergisst der Vergessende schließlich. Die Mutter Maria aber kann man nicht vergessen. Ihr Name verbindet alle klagenden und leidenden Frauen mit dem Triumph der werdenden Mütter und gekrönten Königinnen. „Gepriesen bist du unter den Frauen. Bitte für uns. Jetzt – und in der Stunde unseres Fortgehens aus dieser Welt.” Die Kirche hat ja viel Zeit gehabt – und deshalb konnte und wollte sie das Ganze der Schöpfung dogmatisch nach-komponieren und für die Ewigkeit sichern. Alle großen Frauen- und Göttinnenschicksale der Antike hat die Kirche sich getauft, indem sie dieselben ganz bewusst in der Person der Gottesmutter Maria zusammengeführt und verschmolzen hat: Die Jungfrau Artemis, die Mutter Demeter, die Geliebte Aphrodite, die Greisin und jugendlich bleibende Persephonai. Gemäß dieser schließlich auch lehramtlich dogmatisierten Partitur findet das ewig Göttliche den Weg in die vergängliche Welt durch die Hingabe Mariens an den göttlichen Heilsplan. Mit dem Leben der Tochter Annas und Joachims also bleiben Weltgeschichte und Menschheit auf immer untrennbar verbunden.

Ohne Maria geht gar nichts. Je mehr die Marienverehrung diesseits der Mittelgebirge vergessen worden ist, um so mehr könnte ihrer neu gedacht werden. Bei Maria ist Trost. Denn sie hat Jesus geboren, den Retter der Welt. Männer, die so unvorschriftsmäßig wie Weber, Rilke und Brandauer auch Maria heißen, erinnern uns daran – wer könnte das vergessen …