… an der Schwelle zum Herbst

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Ein abgemähtes Feld. Ein Meer aus Stoppeln. Über allem wölbt sich ein ungeteilter Himmel.

Im Glaubensbekenntnis sprechen wir jeden Sonntag: „Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen.“ Und bei der inneren Hinwendung zum Abendmahl beten wir: „Lass uns alle in diesem Mahl ein Leib werden in Jesus Christus, in dem wir uns einander schenken und hingeben.“

Im Angesicht der vergoldeten Stoppeln kam mir dies in den Sinn. Gemeinschaft der Heiligen – eine Gemeinschaft, die entsteht und deren Heiligkeit gedeiht aus der Hingabe des eigenen Wesens an das Leben. Jedes Weizenkorn birgt in sich die Möglichkeit Same zu werden, oder Speise. Doch die Entfaltung dieser Möglichkeit kann nur geschehen, wenn das Korn geschnitten und wieder ausgesät oder zu Mehl gemahlen wird. Die Halme landen als Einstreu im Stall.

Gemeinschaft, die sich baut aus der Bereitschaft miteinander, nebeneinander zu wachsen, zu reifen, Frucht zu tragen.
Es bleiben Spuren der Erntefahrzeuge. Schatten auch, von der abendlichen Sommersonne geworfen.

Der Gedanke der Heiligkeit im Christentum braucht keine makellosen Einzelwesen und der Gedanke der Gemeinschaft beinhaltet nicht hundertprozentige Übereinstimmung aller in allen Dingen des Lebens. Geheiligt wird der Einzelne durch seine Bereitschaft vor Gott und neben dem andern zu sein und zu bleiben, ihn gelten zu lassen und mit ihm zu teilen das Brot und den Wein, in denen Christus sich verschwendet an die Welt.

Ich muss nicht fürchten, in der Menge unterzugehen, nicht großartig genug zu sein. Ich kann an den Tisch des Herrn treten und dankbar teilhaben am Leben, mich freuen, neben dieser oder jenem zu stehen, in der Gewissheit, eine Stoppel auf Gottes Acker zu sein, die Frucht getragen hat und einzutauchen in ein neues Leben, wenn der große Pflug kommt.

Es grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin Ute Schollmeyer