Sonntag Invocavit 2020

was Welt war, soll Paradies werden

Die Erschaffung von Adam und Eva zu freien Ebenbildern Gottes wird auf immer untrennbar verbunden bleiben müssen mit der sofortigen Entscheidung der beiden Ureltern, ihre Freiheit maximal selber auch zu nutzen. Und so geschieht es denn: Man isst von jener Frucht, deren Genuss dazu zwingt, in Zukunft zwischen gut und böse unterscheiden zu müssen. Nur noch der Tod wird von diesem Zwang erlösen können … Ein besonderer Reiz ging schon immer von solchen Denkfiguren aus, mit denen Gott beschrieben werden kann als einer, den prinzipiell keine Schuld trifft. Das, was Gott als „Fall Adams” schief gelaufen zu sein scheint, liegt ja bekanntlich in der inneren Konsequenz der Schöpfung selbst. Weil Gott aber keine Fehler macht, ist da gar nichts schief gelaufen. Es wäre demnach falsch, Adams Paradiesverlust als Strafe Gottes zu interpretieren. Gott lässt neben seinem vollkommenen Garten zusätzlich nun auch noch die am menschlichen Gut/Böse-Geist zerschellende Welt begrenzt Geltung gewinnen. Und er vertreibt Adam gar nicht aus dem Paradies ewig-göttlich harmonischer Ideen. Sondern vielmehr entsendet er ihn von dort aus in die neue Welt des Zwiespalts. Deren Wildnis gilt es zu gestalten – trotz aller verfluchten Sachzwänge, welche sich auftun werden. Vertreibung könnte besser als Entsendung gedacht werden: Nicht Verlust, sondern Gewinn. Nicht Strafe, sondern Ritterschlag für Mutige. Die Schwierigkeit zwischen Gut und Böse entscheiden zu müssen – das bleibt eine große Zumutung. Zumal in der Erzählung (morgen der Predigttext!) zusätzlich noch eine Schlange auftaucht, wird Gottvertrauen anempfohlen! Der Schlange kommt nämlich eine fatale Rolle zu: Zwar gilt sie als Impulsgeberin dafür, sich ein Herz zu fassen. Aber leider führt sie nicht in die Freiheit, sondern muss zu ihr verführen. Eine Geschichte für starke Nerven!