von den Masken

Maske des Auferstandenen (Turiner Grabtuch)

Nun ist es eben so, wie es ist. Ein kleines Virus scheint unser Leben tatsächlich zu verändern. Ob wir wollen oder nicht – irgendwie sind alle betroffen. Was kann man da machen? Es wird berichtet, dass das Gebet zu denjenigen Künsten zählt, die es in Zeiten der Orientierungs- und Mutlosigkeit vermocht haben, Menschen aufzurichten. Gebet – eine Art Balancierstange für Tänzer oben auf dem Seil über den Schluchten des Seins. Ob gesundheitliche oder finanzielle Sorgen – im Gebet lassen sie sich vor ein ewigliches Forum bringen – vor Gott, den HERRN, wie die Christen sagen. Warum sollte und wie soll das helfen?
Man müsste vom Gebet einmal ausdrücklich nicht als von einer Pflicht sprechen, sondern mag das Gebet als geistliche Kunst verstehen – als eine Kunst, die nicht vieler Dinge bedarf, außer solcher Betenden, die gegenüber sich selbst ehrlich geworden sind. Ehrlich sein heißt hier, sich nicht mehr täuschen (lassen) zu wollen.
Im Leben wird man gar nicht so selten zu allerlei Anpassungsleistungen gezwungen. Den Älteren ist das aus DDR-Zeiten vielleicht noch in Erinnerung: „Maskiere dich lieber” lautete der Rat „gib nicht jedem zu erkennen, ob deine Uhr Punkte oder Striche hat.” Nietzsche soll sogar sinngemäß gesagt haben: „Jeder tiefe Geist braucht eine Maske” (Jenseits von Gut und Böse – Zweites Hauptstück. Der freie Geist 31-40). So sind wir über Nacht durch Behördenerlass quasi alle zu tiefen Geistern geworden, wer hätte das gedacht? Ja – man darf die Dinge auch mal von der heiteren Seite betrachten, was ebenfalls eine Kunst ist …
Wenn die Maske uns in der nächsten Zeit wie an einem Nasenring durch die Manege des Jahres 2020 führen wird, tut es vielleicht gut, dass wir uns klarmachen, wovor wir hinter der Maske eigentlich die meiste Angst haben. Dann hätten wir eine tatsächlich wichtige Frage beantwortet. Die zweite wichtige Frage lautete danach: Was hilft mir am meisten, diese Angst zu verwandeln? Bereits der Versuch der Beantwortung beider Fragen ließe uns aus der Vorhalle in das Heiltum des Gebetes eintreten. Beten wäre dann nicht nur die verständliche Bettelei darum, dass alles wieder so wird, wie es früher war. Beten würde dann zum stillen Selbstgespräch Gottes innerhalb des menschlichen Geistes. Das führt auf sanfte Weise zur Klärung unter der Maske, nicht hinter ihr. Wo wir welche mit Maske entdecken – sehen wir es doch einmal so: Sind das vielleicht Betende? Dann wünschen wir ihnen und uns, behütet und gesund zu bleiben – und wieder zu werden.