Johannestag 24. Juni 2020

Ein Wächter links und einer rechts. Nach oben
zerrt man Johannes grob an Bart und Haar.
Der Henker hat das Beil zum Hieb erhoben –

was Salome erbat, er macht es wahr:
„Des Täufers Haupt auf einer Silberplatte,
so löhne man mein Tanzen wunderbar.“

Johannes, weil er sie verurteilt hatte,
war abgetan zu langer Kerkerhaft.
Nun fordert Herodias – diese Ratte,

dass man den klugen Mann beiseite schafft.
Die Ader soll ein scharfer Stahl durchtrennen –
dass spring hervor der rote Lebenssaft.

Da hört man auf des Kellers Stufen Rennen;
zwei Boten stürzen in den finstern Raum.
Der Täufer kann als Jünger sie erkennen –

was dann, erscheint ihm als ein Himmelstraum:
Die beiden fallen hin zu seinen Füßen
und greifen nach des Fellkleids hartem Saum:

„Der Meister Jesus lässt dich durch uns grüßen

wir sollen dich in seinem Namen küssen.

Du ließest fragen: ‚Sollen wir noch warten,
weil da vielleicht ein Besserer noch komm?´
Nun weist er Früchte dir aus Gottes Garten –

zu machen deinen Kinderglauben fromm.
Denn Lahme gehen, blinde Augen schauen
und toten Leibern Leben neu erglomm.

Die Seuche wich, Dämonen in die Sauen
gefangen wurden, Kranke gelten heil.
So stutzte Christ dem Teufel seine Klauen –

und du, Johannes, hattest daran Teil.“
Der Täufer hört´s und seine Augen leuchten,
man sieht es spiegeln in dem scharfen Beil,

wie sie beim Schein der Fackeln sich befeuchten
des Evangeliums wegen, das erscholl
in finsterem Gewölb dem Aufgescheuchten –

dass ihm aus aus frohem Mund der Lobpreis quoll:
„So also durfte ich den Heiland sehen?
Schlagt ab das Haupt, es sagte, was es soll.“

Die beiden Jünger sieht er nicht mehr gehen.
Doch den er taufte – fühlt er bei sich stehen.