der Verrat des Lehrers aus der Mitte der Schüler

Und man lag droben im Gemach bei Tische –
sie feierten das alte Passafest.
Bei frommen Juden Brauch, dass sich erfrische

am heilgen Mahle, wer sich drauf verlässt.
Das Volk war einst dem Würger so entkommen:
An Tür und Tor die Blutschrift als Attest.

Da Jesus heut die Zwölf zu sich genommen,
wusch er die Füße ihnen. Und vom Geist
der Abendzeit erfüllt meint er versonnen:

„Ich sag euch das, was keiner noch nicht weiß.
Denn einer unter euch wird mich verraten!”
Erschrocken schwieg der ganze Jüngerkreis –

und wurde ihnen bange, dass sie baten,
zu wissen noch, von wem die Rede ging?
Darum zu jenem Jünger heimlich traten

sie leise, der nicht selten gerne hing
an Jesu Brust – weil der ihm Liebe zollte.
Ihm winkte Simon Petrus mit dem Ring –

zu fragen, wem der Würfel derart rollte,
zu helfen, dass der Herrgott sterben sollte.

Johannes lehnt sich Jesus an das Herze
und fragt den Meister traurig: „Herr, wer ist’s?”
Antwortet dieser ihm aus tiefstem Schmerze:

„Der, dem ich Brocken reiche zum Gebiss.”
Und gibt ihn Judas. Gab vom Eingetauchten
und rief: „Iskariot, Sohn Simons, iss!”

Da fuhren Satans Mächte ein und hauchten,
dass diese Speise wirke bösen Sinn.
Spricht Jesus wieder zu dem so Missbrauchten:

„Nun, was du tun willst, zieh nicht lange hin!”
Doch niemand, der zu Tische war, erkannte,
wozu dies Meisterwort und was sein Sinn.

Man meint, dass jenem, der den Beutel trüge,
ein Auftrag Jesu ward: „Kauf was zum Fest.”
Vielleicht auch, dass den Armen man genüge,

Almosen reichend von des Mahles Rest …
Da Judas nun das Brot genommen hatte,
ging er zur Finsternis hinaus. Sie lässt

die Nacht herniederfallen. Ihre Matte
gleicht schwarzen Steines zentnerschwerer Platte.