der Verrat des Lehrers aus der Mitte der Schüler

Und man lag droben im Gemach bei Tische –
sie feierten das alte Passafest.
Bei frommen Juden Brauch, dass sich erfrische

am heilgen Mahle, wer sich drauf verlässt.
Das Volk war einst dem Würger so entkommen:
An Tür und Tor die Blutschrift als Attest.

Da Jesus heut die Zwölf zu sich genommen,
wusch er die Füße ihnen. Und vom Geist
der Abendzeit erfüllt meint er versonnen:

„Ich sag euch das, was keiner noch nicht weiß.
Denn einer unter euch wird mich verraten!”
Erschrocken schwieg der ganze Jüngerkreis –

und wurde ihnen bange, dass sie baten,
zu wissen noch, von wem die Rede ging?
Darum zu jenem Jünger heimlich traten

sie leise, der nicht selten gerne hing
an Jesu Brust – weil der ihm Liebe zollte.
Ihm winkte Simon Petrus mit dem Ring –

zu fragen, wem der Würfel derart rollte,
zu helfen, dass der Herrgott sterben sollte.

Johannes lehnt sich Jesus an das Herze
und fragt den Meister traurig: „Herr, wer ist’s?”
Antwortet dieser ihm aus tiefstem Schmerze:

„Der, dem ich Brocken reiche zum Gebiss.”
Und gibt ihn Judas. Gab vom Eingetauchten
und rief: „Iskariot, Sohn Simons, iss!”

Da fuhren Satans Mächte ein und hauchten,
dass diese Speise wirke bösen Sinn.
Spricht Jesus wieder zu dem so Missbrauchten:

„Nun, was du tun willst, zieh nicht lange hin!”
Doch niemand, der zu Tische war, erkannte,
wozu dies Meisterwort und was sein Sinn.

Man meint, dass jenem, der den Beutel trüge,
ein Auftrag Jesu ward: „Kauf was zum Fest.”
Vielleicht auch, dass den Armen man genüge,

Almosen reichend von des Mahles Rest …
Da Judas nun das Brot genommen hatte,
ging er zur Finsternis hinaus. Sie lässt

die Nacht herniederfallen. Ihre Matte
gleicht schwarzen Steines zentnerschwerer Platte.

von der Versuchung Jesu – Sonntag Invokavit 21.2.2021

Versuchung Jesu – (aus: SCHILD DES GLAUBENS – Paula Jordan)

… da ist der Drang, es aller Welt zu zeigen;
nicht nur den jungen Mann trifft solche Qual.
Wer könnte auch sein Königtum verschweigen –

wenn dich der Berg ruft, steigst du aus dem Tal.
Hört, wie es Jesus einmal ist ergangen,
der Teufel stellt ihn dreimal vor die Wahl.

Hat dich noch nie der wüste Ort umfangen,
nachdem du stiegest aus der Taufe Flut?
Erwählte Geister ruft es zu den Schlangen,

in vierzig Fastentagen wächst der Mut.
Man tritt dem fremden Anderen entgegen,
der an uns reißen darf mit List und Wut.

Schon naht es sich und fädelt ein verwegen
den Plan: „Schau, Gotteskind. Da liegt ein Stein.
Verwandle ihn in Brot mit deinem Segen!

Sprich, iss und kräftige dir Mark und Bein.
Gib auch den Völkern, was sie hungrig streben,
dann wirst ihr König du in Kürze sein.“

„Viel  Brot“ sagt er „allein reicht nie zum Leben.
Ein Wort ernährt uns mehr – von Gott gegeben!“

Du fragst dich nach dem Namen dieses Fremden?
Es ist der Überfeind, der sich mit List
und Täuschung hüllt in tausend bunte Hemden,

betrügt und Suchenden zuwider ist.
Schon schleppt er Jesus auf des Tempels Zinne –
und fordernd raunt ihm dort das böse Biest:

„Wirf dich hinab, o lieber Bruder! Minne
der guten Engel Hilfetat. Vertrau!
Des Weges ihres Lieblingskindes inne,

steh´n sie hab acht und fangen dich im Blau.“
Er aber rügt: „Du sollst nicht kühn erproben
die Wunder Gottes, rät die Schrift genau!“

Noch einmal packt der Arge ihn, nach oben
führt er bis an den Gipfel des Parnass.
Die Macht der Möglichkeit zeigt sich dort droben:

„Tu, was du willst! Dein sei das Übermaß!
Mich bete an – dann wird dir alles dienen …“
Doch Jesus nur: „Verschwinde, Satanas!“

Sogleich erschienen Gottes Seraphinen,
der Böse aber floh und fluchte ihnen.